Donnerstag, 11. März 2010

es war eine zeit

Als ich aufwuchs, war der 125er Boom leider schon wieder am abflauen und strenge Gesetze regelten den Zugriff auf die so ziemlich schärfsten Zweiräder für die Ab Sechzehnjährigen. Mit Sehnsucht denke ich an die glory Days, die heute nur noch in den Köpfen der Mittvierzieger vorherrschen. Kreidler vs. Puch Monza vs. Sachs, Gefechte unter 10PS - alles damals lebensentscheidend, wenn nicht gar der, wenn auch kurzfristige Sieg im kleinen Universum. Die schnellsten Renner liefen über 125 Km/h, so erzählt man sich bierschwanger und in Feierlaune. Heute kaufts mit Ducatis schärfsten Teilen 150PS und mehr, aber irgendwie hab ich nicht mal ein ähnlich aufgeregtes Gefühl, es ist eher ein Abholen einer Bestellung als die Erfüllung einer lang gehegten Sehnsucht.

Ich bin eine jener Generationen, die für den Puch-Höhepunkt zu jung, für Derbis Senda aber zu alt war, unbefriedigt zwischen den Mopedstühlen sitzengeblieben - da hab ich sicher ein Leben lang was nachzuholen. Ganz schnell (zu früh?!) wurde der „Kleinmotorrad-Schein“ wieder verboten, ich weiß bis heute nicht, ob es wirtschaftliche Gründe gab oder viele Unfälle; ich seh heute wenige Mittvierzieger am Stock gehen, Schlimmeres nicht ausgeschlossen.

Wer heute einen der unverbauten Mopetten seine Eigen nennen kann, sei stolz und trage dies mit Würde - geschraubt wurde gar oft und das nicht immer mit dem benötigten Hintergrund. Jugend - Werkstätten üben bis heute eine riesige Faszination aus - eine Welt des verbrannten Benzins, den Schmiergerüchen und dem Fett auf den Händen, immer schmutzig, irgendwie auch berauschend; eine Welt, die noch so klein, jedem seinen Platz ermöglichte. Ich wollte so sehr dazu gehören, so fest hab ich geträumt, zu schrauben, feilen, meine eigene Maschin´anzukicken. Dauernde Benzingespräche von längeren Übersetzungen und polierten Ansaugstücken. Sechs Gänge, langgezogener Tank und am besten gleich die JPS - John Player Special Edition von Puch. Heute muss ich schmunzeln, als ich mich so tief eingelesen hab, - damals halt, hab ich ein wichtiges Detail einfach mal so übersehen: der Schriftzug lautet(e) niemals JPS, sondern einfach SDP - aber zum verwechseln ähnlich den damaligen, sehr beliebten JPS Formel 1 Rennern nachempfunden... (SDP: Special Design Puch, ich kanns heute noch immer nicht so recht glauben - dafür hab ich sogar eine Zeitlang, die meiste Zeit sogar, John Player geraucht, heute noch hat diese Marke bei mir was gut, einfach so...)

Vor Wels steht ein der Bahn sehr nahes Lager, mit großen Lettern und einem riesigen Puch - Zeichen, ein damaliges Zentrallager wird damit ausgewiesen. Sogar die Aussenfarbe des Gebäudes wurde im Corporate Design der zu tiefst österreichischen Marke verziert, so glaube ich darin zu lesen. Jedesmal, und das sei mir hier verziehen, ja, jedesmal rauschts bei mir im Kopf beim Vorbeifahren so dermaßen Bilder durch den Kopf über eine längst vergangene aber nicht vergessene Zeit. Und irgendwie freut mich der Gedanke, wenn ich mir einen Mann vorstelle, der hinter dem Tresen meine noch zu verbauenden Teile hervorholt und wissend lächelt. Eine geteilte Begeisterung ist schon faszinierend. Lächelnd nicke ich ab und schau das ich so schnell wie möglich in die Werkstatt komm: zum schrauben...

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